sabato 21 dicembre 2013

SKDP/19/002-9. § 19. Berthold Auerbach: “Vom Grüßen”

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Berthold Auerbach
Libero adattamento per finalità autodidattiche di testi e registrazioni di pubblico dominio tratti da Librivox. Acoustical liberation of books in the public domain. Testo tratto da Gutenberg Spiegel e registrazione da Librivox.org Serie: Sammlung kurzer deutscher Prosa 002/9. - Nostra numerazione del Brano: 19. Reader: Dirk Weber / download  di “Vom Grüssen” (9).  Etext: Gutenberg Spiegel/Auerbach  - Dizionari: Dicios; Sansoni:.

Vom Grüßen
Berthold Auerbachl
(1812-1882)

Es ist eine schöne Sache, daß Menschen, die sich begegnen, einander begrüßen. Wenn sie einander kennen, soll mit dem Grüßen wohl gesagt sein: Freut mich, daß du auch noch da und wohlauf bist. Wenn sie einander nicht kennen und vielleicht auf einsamem Wege zusammentreffen, so sagt der Gruß: Freut mich überhaupt, daß du da bist; wir sind Lebensgenossen.

Fragt dich aber ein Bekannter: »Wie geht's?« – so sieh zu, ob er denn wirklich wissen will, wie's dir geht. Hast du ein Leid erfahren oder einen Kummer in der Seele und du sagst ehrlich, wie dir zumute ist, so kann es leicht kommen, daß der Grüßende dich verwundert oder gar verdrossen ansieht; denn er wollte ja eigentlich nicht wissen, wie's dir geht, das ist nur so eine Redensart. Darum ist das Beste, wenn du auf die Frage wie geht's, die Antwort gibst: »Ich danke.« Damit bist du fertig und hast nicht nötig zu lügen, indem du gut antwortest, wenn es dir in der Tat nicht gutgeht. Kannst dich darauf verlassen, der Fragende ist mit der Antwort, »ich danke«, in der Regel vollkommen zufrieden.

Es gibt aber auch wohlgemeinte Grüße.

Wenn du am Hause des Hagenmaier vorübergehst und er steht unter der Halbtür und grüßt dich heraus, so darfst du annehmen, er meint's im Ernst; dagegen kannst du dich darauf verlassen, daß der Oberbauer von Windenreuten, wenn du ihm begegnest – zumal wenn er die Stufen vom Wirtshaus heruntersteigt – und du grüßt ihn, stets die Pfeife im Mund hält und denkt: Was will denn der? Der will gewiß was von mir, weil er mich grüßt.

Der schönste von allen Grüßen ist und bleibt immer, wie die Mutter ihr Kindchen grüßt, wenn sie es mit schlaf geröteten Wangen aus dem Bettchen hebt und sich eben freut, daß es frisch gestärkt wieder auflebt und lacht und gedeiht.

Es gibt eben verschiedene Grüße. Es gibt einen Gruß im Flug, der sehr höflich scheint; der Grüßende macht ein gar freundliches Gesicht, grinst und zeigt seine Zähne; wer weiß, was er wirklich denkt. Aber was tut's? Man kommt nicht weit in der Welt und trägt schwer am Leben, wenn man sich immer vergegenwärtigen will: was geht in dem anderen vor.

Wie vielerlei Lug und Trug wird in der Welt verbraucht, und das Leben ist doch so kurz; die Station, die zum Aufenthalt gegeben, ist so knapp bemessen.

Da begegnen sich zwei Männer. »Empfehle mich höflichst« – »Gehorsamer Diener« heißt es hin und her, und innerlich lachen sie übereinander, verwünschen vielleicht einander und wünschen sich gegenseitig zum Teufel. Die einfältigste Redensart ist doch »gehorsamer Diener«, denn will der, der »gehorsamer Diener« sagt, wirklich das sein? Sage nicht, das sind bloße Redensarten; es kann dich niemand zu einer hohlen Redensart zwingen, wenn du nicht willst.

Nun sieh dir einmal den Hochmutsnarren an, der daherstolziert, als ob er eigentlich ganz allein auf der Welt wäre und die anderen gar kein Recht hätten, auch dazusein; er grüßt nur, indem er mit seinem Augenglas winkt, das ist ihm schon vollständig genug für die Aufdringlichen, die sich anmaßen, auch zu leben. –

Da kommt ein anderer. Ihn hat ein gutmütiger Alter freundlich begrüßt und geht an seinem Stock weiter, der Begrüßte aber macht ein schiefes Maul, wendet sich noch einmal verächtlich zurück: Was tut denn der alte Mann noch auf der Welt, der hätte auch schon lange adje sagen können, und wie kommt der dazu, dich zu grüßen? –

Und wieder ein anderer wird vor einem Bittsteller begrüßt, gar untertänig, und er fühlt sich um so erhabener und läßt sich's gefallen, daß ihm der Bittende seinen dringenden Wunsch vorträgt.

Auf Weg und Steg wird man gewahr, in welch närrischer Welt wir leben, wo die Menschen statt einander die kurze Zeit je nach Kräften, und sei es nur mit guten Worten und freundlichen Mienen, das Dasein zu verschönern, aus allerlei Hochmut und Herzenskälte sich dasselbe verderben. Das beste ist, man kümmert sich nicht drum, man geht nach Herzenslust seines Weges und tut seine Pflicht. 

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